FU Workshop: Die kleine Baumaßnahme

Leit- und Orientierungssysteme in Bibliotheken

Der Workshop zum Thema Leit- und Orientierungssysteme in Bibliotheken wurde im Rahmen des Weiterbildungszentrums von der FU Berlin veranstaltet. Dabei schauten wir uns verschiedene Bibliotheken (Philologische Bibliothek der FU und die Campus Bibliothek) in der näheren Umgebung an, um die Komplexität solcher Leit- und Orientierungssysteme zu verstehen. Durch die Vorträge aus den Bereichen: Design und Bibliotheksbau wurden die unterschiedlichen Phasen von Leit- und Orientierungssysteme in Bibliotheken mit verschiedenen Beispielen vorgestellt.

Vorbereitung und Planung

Die Implementierung eines Leit- und Orientierungssystems besteht aus einem langen Prozess, an dem viele Personen beteiligt sind. In erster Linie soll das Leit- und Orientierungssystem in Bibliotheken dem Nutzer eine angenehme Wegführung zu seinem gewünschten Ziel ermöglichen. Um diesen Effekt zu begünstigen, müssen Architekten, Designer, Planer, Bauunternehmer und Auftraggeber sich frühzeitig zusammensetzten, damit ein erfolgreiches Leit- und Orientierungssystems umgesetzt werden kann.

1. Rahmenbedingung

Um ein Leit- und Orientierungssystem in einer bereits bestehenden Bibliothek zu etablieren oder zu verbessern, muss zunächst die Nutzergruppe definiert werden. Sind die Besucher der Bibliothek vorrangig Studenten, Kinder, Immigranten oder Senioren? Dabei sollten die Aspekte der Barrierefreiheit und des Universal Designs sowie die Kulturneutralität (Mehrsprachigkeit z.B. deutsch/englisch) mit einfließen.
Die Bibliothekare sind am Entstehungsprozess des Leit- und Orientierungssystems beteiligt und kennen die Bestände. Der Nutzer hingegen muss sich erst mit der Bibliothek vertraut machen – wo ist welcher Bestand? Wo ist das Ausleihautomaten oder Sanitärbereiche? Wenn die Nutzer die gesuchten Funktionsbereiche nicht leicht erkennen und erreichen bzw. sich nicht zurechtfinden, führt das unter Umständen zum Verlassen der Bibliothek.
Der nächste Schritt ist die Begehung der Bibliothek, welche dazu dient die architektonischen Gegebenheiten vor Ort zu analysieren und auf die raumkonzeptionellen Zusammenhänge (Verkehrsströme, Fluchtwege) geprüft wird. Besonders bei einer bestehenden Bibliothek wird der Ist-Zustand des Leitsystems, die Servicebereiche und sowie die Architektur näher überprüft und eine Bedarfsermittlung erstellt. Auf dieser Grundlage können durch weitere Ausschreibungen, neue Stakeholder im Prozess der Vorbereitung und Planung des Leit- und Orientierungssystems integriert werden.
Alle Stakeholder, die am Prozess des Bibliotheksbaus bzw. Leit- und Orientierungssystems beteiligt sind, brauchen einen Vertrag vom Auftraggeber, um die Leistungen und Aufgaben des Projektes eindeutig festzuhalten. Zusätzlich muss der Bibliotheksbau auf seine Substanz überprüft werden. Das heißt es müssen Fragen, wie sind die Wände, Decken oder Böden beschaffen, beantwortet werden, um mögliche Leitsysteme sowie technische Konstrukte und die Barrierefreiheit zu integrieren. Ein wichtiger Aspekt ist das Thema Flexibilität eines Leit- und Orientierungssystems hinsichtlich des Materials, der Nutzungsmöglichkeiten und Ergänzung der Räume. Zudem sollten die laufenden und zukünftigen Kosten der Instandhaltung von Leit- und Orientierungssystemen mit in die Planung einbezogen werden.

2. Informationsermittlung

Anhand eines ersten Briefings können die beteiligten Personen gemeinsame Ziele und Ideen in die Planung mit aufnehmen. Anhand eines Plansatzes des Gebäudes kann der Architekt die relevanten Informationen, wie beispielsweise Schnitte, Grundrisse und Ansichten mit einem Maßstab entwickeln. Eine Besichtigung vor Ort, mit eventueller Fotodokumentation der einzelnen Räume und Bereiche im Gebäude, ermöglicht erste Ideen zur Konzeption bzw. zum Umbau.
Der nächste Schritt für die Vorbereitung und Planung eines Leit- und Orientierungssystems ist die Informationsermittlung. Ein ausführliches Gespräch zwischen dem Auftraggeber, dem Architekten, dem Designer sowie dem Planer, hilft, die genauen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes bzw. Raumes zu bestimmen.
Nach diesem Schritt werden die Informationen bzw. die Funktionen des Gebäudes oder Raumes gesammelt, kategorisiert, hierarchisiert und im besten Fall in eine Positionsliste bzw. Positionsplan eingetragen. Diese Positionsliste ist die inhaltliche Grundlage (Informationssystem), welche zur weiteren Ausführungsplanung eingesetzt werden.

3. Ausführungsplanung

Die Ausführungsplanung beinhaltet die Konstruktion, Werksplanung bis hin zur Erstellung eines Prototyps. Insbesondere werden die Beschilderungstypologien auf das Typografische Raster (Satzspiegel, Schriftkombination, Schriftgrößen, Satzspiegel) und auf die Farbkombination sowie die Raumumgebung vor Ort überprüft. Des Weiteren muss die technische Realisierbarkeit (z. B.: LED), Materialien und die Sicherheit (Abstimmung mit einem Statiker und Architekt) geprüft werden.
Der nächste Schritt beinhaltet eine genaue und ausführliche Beschreibung der Konstruktions- und Montagezeichnungen. Wenn dies abgeschlossen ist, sollten unterschiedlichen Prototypen der jeweiligen Beschilderungstypologien hergestellt werden. Anhand der Prototypen können letzte Details geklärt und gegebenenfalls gleich eine Abnahme des Auftraggebers sowie eine Vergabe und Ausschreibung erteilt werden.

4. Vorentwurf

In einen Grundriss oder Lageplan sowie in die Positionsliste, können alle wichtigen Informationen eingetragen werden. Daraus resultiert eine Strategieentwicklung zur Wegeführung und es wird ersichtlich, in welchen wichtigen Bereichen (zentrale Knotenpunkte, Treppenaufgänge oder Eingänge) eine Orientierungshilfe (welche Form der Beschilderung) eingesetzt wird.
Der Vorentwurf präsentiert die Idee, wie das Leit- und Orientierungssystem in der Bibliothek aussehen könnte. Wenn der Vorentwurf erstellt ist, benötigt der Designer eine Abstimmung mit dem Architekten (Urheberrechte am Werk). Des Weiteren sollten alle gestalterischen Entwürfe mit dem Auftraggeber und der Bibliotheksleitung abgestimmt sein und eine Auswahl sowie Freigabe erteilt werden. Im nächsten Schritt wird eine mögliche Kostenschätzung des gesamten Leit- und Orientierungssystems einer Bibliothek vorgestellt.

5. Entwurf

Der Entwurf ist die weiterführende Entwicklung des Vorentwurfs, als Grundlagen dient die Positionsliste. Dabei werden die gestalterischen Elemente neu ausgearbeitet und mit
verschiedenen Programmen visualisiert. Demnach muss der Entwurf von den Bauherren, Architekten und der Bibliotheksleitung auf die Funktionalität und Anwendung geprüft werden, sodass die Nutzer der Bibliothek die Leit- und Orientierungssysteme auch verstehen bzw. nutzen können. Des Weiteren wird dem Auftraggeber eine überarbeitete Kostenrechnung ubermittelt, wenn dieser zustimmt, kann die Werksplanung beginnen.

6. Projektabschluss

Durch die Abnahme des Auftraggebers steht der finalen Entwicklung der einzelnen Bestandteile des Leit- und Orientierungssystems nichts mehr im Wege. Jedoch sollte eine
präzise Dokumentation sowie ein Styleguide vom Corporate Design entwickelt werden und eine fachgerechte Ablagestruktur der Dateien erfolgen. Um mögliche Mängel oder
Unklarheiten der Beschilderung zu vermeiden, empfehlt sich das Leit- und Orientierungssystem einen Probemonat in der Bibliothek zu montieren. Dabei können die
Nutzer oder Mitarbeiter sowie die Bauleitung und der Auftraggeber das Leit- und Orientierungssystem einmal testen und gegebenenfalls können Mängel vor Eröffnung
beseitigt werden. Einem Leit- und Orientierungssystem unterliegt immer einer Pflege. Denn oftmals wird der Bestand umstrukturiert und Räume oder einzelne Bereiche ergänzt. Neben der Pflege sollten Leit- und Orientierungssysteme regelmäßig evaluiert werden.


Der Bericht wurde von Johanna verfasst. Sie ist Studentin am Fachbereich Informationswissenschaften.

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