Bericht zur iPRES-Tagung

Raise your eyes to the horizon!

iPRES 2019 in Amsterdam – 16. international conference on digital preservation

 

Die besondere Atmosphäre einer internationalen Tagung kennenlernen, sich über die aktuellsten Projekte und Ideen im Bereich der digitalen Archivierung informieren, persönliche Kontakte zu Digital Preservation Specialists aus aller Welt knüpfen und mit neuer Inspiration für das eigene Studium oder den eigenen Job zurückkehren – all dies bietet die iPRES-Tagung, welche in diesem Jahr vom 16. bis 20. September im Eye Film Museum in Amsterdam stattfand.

Wir waren dabei und möchten euch berichten, warum wir allen Studierenden des Fachbereichs Informationswissenschaften, die sich für das Thema “Digitale Archivierung” interessieren, die Teilnahme an der iPRES-Tagung unbedingt empfehlen!

Unser Dank gilt dem StuRa des FB5, der uns durch einen finanziellen Zuschuss zum Konferenzbeitrag unterstützt und uns dadurch die Teilnahme an der Konferenz ermöglicht hat!

Tagungsort der iPRES 2019: Eye Filmmuseum Amsterdam
Innenansicht Eye Filmmuseum Amsterdam

 

Das Tagungsprogramm

 

Organisiert wurde die iPRES-Konferenz in diesem Jahr vom Dutch Digital Heritage Network, in welchem viele verschiedene niederländische Institutionen aus dem Bereich des kulturellen Erbes zusammenarbeiten, um einen offenen und nachhaltigen Zugang zu digitalen Kulturgütern zu schaffen.

An den vier Konferenztagen wurden insgesamt 50 Workshops und über 100 Vorträge aus aller Welt angeboten. Der erste Tag startete mit einem umfangreichen Workshop-Programm. In einem Workshop wurde beispielsweise ein Kostenmodell für die digitale Langzeitarchivierung der Inhalte des Eye Film Museums vorgestellt. Andere Workshops und Tutorials beschäftigten sich mit den Metadatenstandards METS, PREMIS und OCFL oder der Anwendung von (Open Source) Software zur Langzeitarchivierung digitaler Objekte.

Die Keynote-Vorträge an den Vormittagen beschäftigten sich aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln mit digitalen Daten. Sie wurden per Video aufgenommen und sind unter folgendem Link einsehbar: https://ipres2019.org/program/

In Erinnerung blieb auf jeden Fall der Keynote-Vortrag von Eliot Higgins, Gründer von Bellingcat. Bellingcat ist eine journalistische Initiative, die online open-source investigations durchführt. Anhand von Bildern, Videos und deren Metadaten konnte sie 2014 zentrale Erkenntnisse im Fall des Absturzes der MH17 in der Ukraine ermitteln und auch im Syrien-Konflikt offizielle Angaben verifizieren.

An den Nachmittagen gab es dann weitere Vorträge zu vielfältigen Aspekten der digitalen Archivierung. Es gab Erfahrungsberichte aus verschiedensten Ländern und unterschiedlichsten Institutionen, die beispielsweise gerade einen Zertifizierungsprozess durchlaufen oder Projekte zur praktischen Umsetzung der digitalen Archivierung durchführen.  Besonders interessant war z.B. ein Vortrag zu den rechtlichen Implikationen in der digitalen Langzeitarchivierung, der u.a. beleuchtete, welche Fallstricke im australischen Rechtssystem die Langzeitarchivierung erschweren. So müssen zum Beispiel die rechtlichen Traditionen der Aborigines beachtet werden. Digitale Daten bringen noch viele weitere Herausforderungen mit sich, wie die Bewertung großer Mengen von Dateien oder das Einschätzen von sensitiven Informationen in digitalem Archivgut, die für sich genommen unverfänglich wirken, zusammengenommen jedoch eine Profilerstellung ermöglichen.

Neben eher theoretischen Beiträgen gab es auch wunderbar kreative Einfälle von Teilnehmern, wie ein Brettspiel, das die Spieler zu Mitarbeitern in Bibliotheken macht, oder ein Musikvideo, mit dem zu einer nachhaltigen Sicherung von digitalen Daten aufgerufen wird (https://dpconline.org/blog/idpd/digital-preservation-song-challenge).

An dieser Stelle können wir unmöglich alle Inhalte vorstellen, aber wer mehr wissen will, der kann sich die Paper zu den Vorträgen von der iPRES-Webseite herunterladen: https://ipres2019.org/program/conference-programme/

 

Grachtenflair und Dinnerparty – das Rahmenprogramm

 

Am Mittwochabend gab es ein festliches Konferenzdinner in der ehemaligen Kirche “De Duif” im Stadtzentrum, zu dem wir stilecht mit Booten durch die Grachten von Amsterdam gebracht wurden. In stimmungsvoller Atmosphäre und mit Live-Musik der niederländischen Gruppe “Fuse” (https://fusemusic.nl/) gab es viel Gelegenheit für interessante Gespräche mit anderen Konferenzteilnehmern.

Während der gesamten Konferenz war die Stimmung sehr entspannt und die Konferenzteilnehmer sehr offen und freundlich, sodass wir uns als “iPRES-Newbies” sofort willkommen gefühlt haben. Wir können nur empfehlen, sich mit möglichst vielen anderen Teilnehmern auszutauschen. Wir haben mit Menschen von allen Kontinenten gesprochen und viel über den Stand der informationswissenschaftlichen Entwicklung in ihren Ländern erfahren. So haben wir Bibliothekare, Archivare und IT-Spezialisten aus Kenia, den USA, Kanada, Australien, Chile, Japan und natürlich auch aus Europa, wie z.B. aus Dänemark, Lettland, Schottland oder der Schweiz kennengelernt.

Blick auf eine der zahlreichen Grachten Amsterdams
Blick auf eine der zahlreichen Grachten Amsterdams Auftritt von “Fuse” in der ehemaligen Kirche “De Duif”

 

Eye on the horizon

 

Unser Fazit: Der Besuch der iPRES 2019 in Amsterdam war ein aufschlussreicher Blick zum Horizont und eine wertvolle Erfahrung, die wir nicht missen möchten!

Allen Studierenden möchten wir den Ratschlag mitgeben, sich im Vorfeld der Teilnahme an der iPRES mit den Papern auseinanderzusetzen, denn die Vorträge werden auf einem fachlich hohen Niveau gehalten.

Die nächste iPRES findet übrigens vom 21. bis 24. September 2020 in Peking (https://ipres-conference.org/) statt. Wer von euch jetzt Lust bekommen hat, auch Teil der iPRES-Community zu werden und im nächsten Jahr bei der Tagung dabei zu sein, sollte seine Reise am besten frühzeitig planen. Die nächste Konferenz in Europa findet 2022 in Glasgow statt.

 

Blick auf die Skyline von Amsterdam

 


Der Bericht wurde von Isabelle Chalamel und Elisabeth Klindworth verfasst.

Beitragsbilder: © Isabelle Chalamel und Elisabeth Klindworth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.